Aus der DDR-Stasiakte (1981)

„Individuelle negative Meinungsäußerungen“

Mit unserem Umzug ins Pfarrhaus Crock wurde 1980 auch bei der DDR-Staatssicherheit eine neue Stasi-Akte für mich und meine nun eigene Familie angelegt. Die bisherige Stasi-Akte aus Heiligenstadt dafür geschlossen. Anbei vier Begründungen der Stasi, warum ich als Crocker Pfarrer als feindlich eingestuft wurde und mich ein Inoffizieller Mitarbeiter der Abwehr mit Feindverbindung jahrelang intensiv observierte.

Auszug Stasiakte 1981 – Teil I:

„Z. ist seit Juni 1980 im Verantwortungsbereich tätig, obwohl in seinem Auftreten und Vorgehen noch keine strafrechtliche Relevanz gegeben ist, gehört er bereits zu den operativ zu beobachtenden ev. Pfarrern, die teilweise offen zu unserem soz. Staat in Opposition stehen. 
Die erarbeiteten Informationen sind objektiv und durch mehrere IM bestätigt (IMB „Peter Steinbach“, FIM „Gerhard Bauer“)
Die weitere op:Kontrolle erfolgt durch den Einsatz der genannten IM. 

 gez: Leiter AG Grenzsicherung Klett | Operativer Mitarbeiter: Jentsch“

Auszug Stasiakte – Teil II:

„Die Einordnung der Information erfolgt als Ergänzung  im SVK 1.2. – mündlich – negative Äußerungen.
Aktuell-politische Ereignisse nutzt Z. als Ausgangspunkte für individuelle negative Diskussionen/Meinungsäußerungen gegenüber dem IMB „Peter Steinbach“.
Zu Fragen der Wehrerziehung der Jugend in der DDR bezieht er eine ablehnende Haltung.

Der objektive Wahrheitsgehalt der Information ist gegeben.

gez: Leiter der AG Grenzsicherung: Hauptmann Klett | Operativer Mitarbeiter: Hauptmann Jentsch“

IMB „Peter Steinach“ war mit Klarnamen der Crocker Einwohner Gerd Lindner, der mich als Pfarrer von Crock für die DDR-Staatssicherheit jahrelang observiert hatte. Das Niederländische Fernsehen drehte 1993 über „IM Peter Steinbach“ eine Dokumentation für das Auslandsjournal.

IMB war übrigens im Stasi-Behördensprech eine IM-Kategorie und das Abkürzel für: Inoffizieller Mitarbeiter der Abwehr mit Feindverbindung bzw. zur unmittelbaren Bearbeitung im Verdacht der Feindtätigkeit stehender Personen.

Die IMB galten laut MFS-Lexikon des BSTU als hochkarätige IM, die direkten Kontakt mit Personen hatten, die vom MfS als „feindlich“ eingestuft wurden und deren Vertrauen besaßen, etwa Zuträger mit kirchlichen Funktionen oder aus Oppositionsgruppen.

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