1. Freie Kommunalwahl nach 40 Jahren Sozialismus
Die erste freie Kommunalwahl 06.05.1990 läßt Auseinandersetzungen aufbrechen, die es früher nicht gegeben hat, oder besser: nicht geben durfte.
Wahlkampf, Worte, Konsequenzen, fremde Bilder und eigene Erfahrungen
Wie sagte doch der Bürgermeister von Crock sinngemäß: „…Das war eben so und da haben wir das eben mitgemacht, jetzt sei eine andere Zeit…“. Doch wenn ich dann in der Zeitung gelesen habe: „…Als Hauptgegner im derzeitigen DDR-Wahlkampf der Ortsgruppe der CDU sieht der designierte Bürgermeister P. die SPD. Die Vorwürfe der SPD, die Ost-CDU sei in der Vergangenheit an der „Ja-Sager-Politik“ beteiligt gewesen, konterte der Ortsverbandvorsitzende: „Auch die SPD hat ihre Vergangenheit. Für die CDU der DDR gelte es im Wahlkampf konkrete Positionen zu beziehen, stellte P. fest. Habe man es in vergangenen schweren Zeiten verstanden, die christlichen Ideale hochzuhalten, gelte es nun, die Gemeinschaft zu festigen und jegliche Spaltung zu vermeiden…“. Da wunderte ich mich doch sehr, denn in der gesamten Gemeinde Crock gab es ja kein einziges SPD-Mitglied. Umso absurder erschien mir dieser Kampf gegen einen politischen Gegner, der vor Ort schlicht nicht existierte. Gerade deshalb hielt ich es für wichtig, überhaupt erst einmal deutlich zu machen, was eine SPD – Partei eigentlich ist.
Ein Abend mit Wirkung
So lud ich zu dem einzigen, öffentlichen Wahlkampfabend in Crock in den „Grünen Baum“ ein und holte mir dafür bewusst einen Redner aus dem Westen, der bereits seit 35 Jahren Wahlkampf für die SPD in der Bundesrepublik gemacht hatte. Die Gaststätte war brechend voll. Der Redner hielt eine überzeugende Ansprache, der aufmerksam gelauscht wurde. Als der Redner am Ende sagte: „…wenn die CDU ihr C ernst nehmen würde, dann bräuchte es keine SPD.“, erhielt er Beifall von allen Anwesenden, was mir zeigte, wie groß der Wunsch nach ehrlicher Auseinandersetzung war.
Der Wahltag und seine Folgen
Am Wahltag, dem 06.05.1990, ging ich schon Vormittags zum Wahllokal in der Gaststätte „Zur Linde“, um meine Stimme abzugeben. Der vielleicht zukünftige Bürgermeister P. überreichte mir beim Betreten des Wahllokals ein Plakat, das er angeblich vom Wahllokal entfernt hatte. Es handelte sich um eine etwa 1,50 Meter lange Tapetenrolle, auf der ich skizzenhaft dargestellt war, mit rotem Pullover und schwarzem Bart, darüber deutlich lesbar der Text: „Wir wollen keinen roten Pfarrer“.
Am Ende des Tages hatten 133 Bürger aus Crock ihre Stimme der SPD gegeben, Stimmen, die der CDU fehlten, sodass der neue Bürgermeister nur mit einem knappen Vorsprung in sein Amt kam, was er mir offensichtlich übelnahm. Von diesem Zeitpunkt an wurde ich zu keinem Anlass mehr eingeladen, nicht einmal nach 14 (!) Jahren offiziell aus dem Pfarramt verabschiedet, während die CDU Crock für ihren Wahlkampf weiterhin das Bild der Kirche nutzte, versehen mit der Aufschrift: „Die Zukunft hat begonnen…Zukunft nur gemeinsam – CDU 1990“.
Das falsche Wahlplakat gegen meine Person mit dem Satz „Wir wollen keinen roten Pfarrer“ setzte schließlich einen Denkprozess bei mir in Gang. Mir wurde klar, dass meine Zeit in Crock zu Ende ging und ich mich nach etwas anderem umsehen musste. Eine Entscheidung, die ich in der Folge auch konsequent umgesetzt habe.
„Mein Wahlplakat“
31. Jahre später (2021)
kommt ein Brief an….
Da wohnte ich nun schon ein paar Jahre im Eichsfeld…..






















