Enttarnung IM „Peter Steinbach“

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Ausschnitte aus dem „Holländischen Fernsehen“ 1993.

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Auszug und Wiedergabe der Fernsehaufnahme in meinem Tagebuch:

Sommer 1993

Das Holländische Fernsehen kommt zum zweiten Mal nach Crock, um einen eventuellen, enttarnten „Stasimann“ zu filmen. Sie werden fündig mit dem IM (Inoffizieller Mitarbeiten): „Peter Steinbach“ alias Gerd Lindner.

Video-Abschrift Interview Holländisches Fernsehen mit IM „Peter Steinbach“:

„Peter Steinbach“:
…Der Name Peter Steinbach sagt mir eins nachdem ich, das muß ich Ihnen sagen, äh, zum erstenmal in der Gauck-Behörde war, ein Deckname von mir gewesen sein soll. Und wie der Name Peter Steinbach kommt, weiß ich nicht. Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aus dem einfachen Grund, ich habe den Namen Peter Steinbach zum erstenmal gehört im Innenministerium Erfurt…

Holländisches Fernsehen:
Aber Sie haben gesagt, daß es keine Akte über Sie gibt.

„Peter Steinbach“:
…Nein. Das ist das einzige, was man mir mitgeteilt hat. Ich würde mit dem Namen Peter Steinbach geführt. Aber das können doch viele gewesen sein…

Holländisches Fernsehen:
Aber wo sind die denn jetzt?

„Peter Steinbach“:
…Wissen Sie, das ist ja das seltsame, das ist ja das seltsame, daß diejenigen, die angeblich ihre Akte eingesehen haben, nicht gesagt werden. Es werden nur zwei Mann gesagt und zwei Mann beschuldigt. Das sind der Herr Beez, und das bin ich. Alles andere darüber ist, das ist wahrscheinlich Verwandtschaft, das ist wahrscheinlich Bekanntschaft, und das sind angesehenen Leute, die darf man doch nicht beflecken. Die kann man doch hier nicht irgendwie in Mißkredit bringen in Crock, um Gottes willen.
Und mit dem Namen Peter Steinbach, wissen Sie, wie viele das da unterschreiben können? Wissen Sie, wie viele da unterschreiben können?…

Holländisches Fernsehen:
Wie viele?

„Peter Steinbach“:
…Da müssen Sie den Staatssicherheitsdienst fragen, wie viele da unterschrieben haben. Ich weiß es nicht. Ich kann damit leben. Ich kann auch ohne diese Freunde leben, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe und meiner Familie nichts und darum geht´s. Deshalb und es wird die Zeit kommen, und ich weiß nicht, ob diese Leute noch mit sich leben können, die heute wie Schmeißfliegen und Scheißkäfer in den Akten herumblättern, um etwas zu finden, um Entschädigungszahlung zu erhalten.
Die haben aber vergessen, das Horst-Wessel-Lied zu singen. Wenn sie´s nämlich gesungen hätten, wärn´se eingebuchtet, hätten´se heute zigtausend Mark Entschädigung gekriegt. Ich will damit nicht sagen, daß es alle sind. Es gab Opfer des, des, des Sozialismus und der Stasi. Da gibt es keine Frage. Aber man kann sich doch heute nicht hinstellen und den weißen Engel markieren als Widerstandskämpfer sich ausgeben und hat, ja sagen wir´s mal ganz gelinde, der erste, der die Rose dran hatte und demonstriert. Gegen jeden werde ich mich wehren, der versuchen sollte, auf schäbige und primitive Art meine Person und meine Familie in Mißkredit zu bringen. Da werde ich vor nichts zurückschrecken. Aber vor gar nichts. Und, äh, ich meine, wir waren hier in Crock eine gute Gemeinschaft, und wenn so etwas aufkommt, wär es nicht angebrachter gewesen, der oder die betreffende Person wär mal zu mir gekommen und hätte gesagt: „Gerd, wir wollen mal ein klärendes Wort miteinander reden. Ist es so, war es so, was haben wir falsch gemacht?“ Nein, nein, das Gegenteil. Man fängt an mit dem schlimmeren Mittel, mit dem schlimmeren Mittel, jetzt die Leute auszuspielen, und das ist doch viel häßlicher und primitiver…

Holländisches Fernsehen:
Und warum gehen Sie nicht zu diesen Leuten?

„Peter Steinbach“:
…Ich? Wissen Sie, man hat mir noch gar nichts gesagt. Wenn man etwas gesagt hat, hat man das anonym an eine Tafel geklatscht…

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Später habe ich den IM „Peter Steinbach“  aus meiner Stasiakte den Klarnamen – Gerd Lindner –  geschickt. Antwort: „Er war es nicht!“ Nun ist er tot.

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