Renovierung der Crocker Kirche (1985)

Tausche Westprodukte gegen Baumaterial

Die Crocker Kirche wurde in kürzester Zeit renoviert und sie wurde auch zu Ende renoviert, was viel Nerven und Kraft gekostet hat. Die Innenrenovierung hatte ein halbes Jahr gedauert und immer wieder fehlte irgendetwas, was dann schnell besorgt werden musste. Ob das die 100 Deckenleuchten waren, das Gold für die Kanzel oder die Heizstrahler für die Bänke: Dank dem Westgeld in der Kollekte, dem Westkaffee und den Westzigaretten war in der DDR plötzlich einiges möglich.

Die Malerfirma Vogel wollte gern eine Erinnerung an die Arbeiten in der Kirche haben. Da musste ich nicht lange überlegen. Ich habe einfach die alte Erinnerungstafel von der letzten Renovierung 1908 abgeschrieben. Damals hat der Herzog nichts dazu gegeben und 1985 hat der Generalsekretär auch nichts dazu gegeben. Beide Tafeln sind eigentlich Zeitzeugnisse. Die Genossen hatte das sehr geärgert. Sie haben sich beide Texte zur Wiedereinweihung abschreiben müssen und wohl „gründlich“ ausgewertet. Was die Genossen nicht geschafft haben, hat dann das Jahr 2005 geschafft. Beide Tafeln sind verschwunden. Da konnte es wohl jemand nicht mehr sehen, der „regelmäßig“ in die Kirche geht. Schade um dieses einmalige Zeitzeugnis. Der Pfarrer 1731 war da klüger. Er hat die Erinnerungstafel zur Renovierung in die 1. Empore der Kirche einarbeiten lassen. Diese Tafel kann man eben nicht so einfach heraus sägen!

Schon ein Jahr vorher wurden die Bänke mit Heizstrahlern versehen. Das war schon eine Gradwanderung. Die Strahler hat ein Handwerker aus Meiningen selbst hergestellt, extra für Kirchen. Wir haben davon profitiert und das gesamte Kirchenschiff mit diesen Heizkörpern versehen. Dann mussten die wenigen Lampen abgenommen und neue Deckenleuchten unter den Emporen angebracht werden.

 

Aber woher so viele Lampen und noch dazu das gleiche Modell. Da hörte ich von einer staatlichen Lampenfirma in Leipzig Markleeberg. Dort würden Deckenleuchten für Schiffe hergestellt. Also bin ich mit dem Trabbi und Anhänger zu diesem Betrieb gefahren.

Dort bin ich ins Sekretariat und haben meinen Wunsch: „100 Deckenleuchten“ mitzunehmen ausgesprochen. Die beiden Damen haben sich angeschaut und gefragt, ob ich wüsste, dass alles auf Jahre verplant ist. Ich bejahte diese Frage und stellte jetzt 2 Päckchen Westkaffee und und eine Flasche guten Westcognac auf den Tresen. Beide Damen schauten sich an und sagten dann, dass ich heute die Lieferung bekomme. So bin ich fröhlich mit 100 Deckenlampen wieder nach Hause gefahren.

Zielprämie: Westgeld

Die PGH Elektro Eisfeld hatte nicht schlecht gestaunt. Sie waren es doch, die mir erklärt haben, das dieses Vorhaben unmöglich ist. Die PGH Elektro war beim vielen hundert Meter Kupferkabel (Spende der Patengemeinde Buttenhausen) verlegen etwas langsam. Da habe ich kurzerhand Westgeld als Zielprämie eingesetzt und damit ging es doppelt so schnell, den die Malerfirma Vogel wollte das Gerüst schon einbauen und benötigte Platz. Da konnte man keine Überzeugungsarbeit mehr leisten, da musste meinerseits gehandelt werden. Der Gemeindekirchenrat wurde in diesen Fragen von mir nur bruchstückhaft unterrichtet. Ich wollte, dass für die Gemeinde sichtbar die Renovierung Fortschritte machte und sie weiter fröhlich spenden sollten.

Der „harte Kern“. Ohne den Crocker Frauenkreis wäre Vieles nicht möglich gewesen.

Alle Handwerker und der Gemeindekirchenrat wurden zum Abschluss der Kirchenrenovierung in den Gemeinderaum zum Klöße essen eingeladen. Dazu hatten wir extra einen Kohleherd organisiert, den wir im Garten aufstellten, um die vielen, vielen Klößen zu kochen.

Das Spendenbuch

1983 habe ich mit dem Einsammeln von Spenden begonnen. Der Anfang war nicht ganz leicht.

Nach zwei Jahren Dienst in der Kirche Crock konnte ich den schlechten inneren und äußeren Zustand der Kirche eigentlich nicht mehr so richtig ertragen. Überall rieselte Dreck von den Wänden. Die Bänke immer verstaubt. Es regnete in die Kirche hinein, da das Dach erheblich beschädigt war. So habe ich Anfang 1983 die Ärmel hoch gekrempelt und drei Schubkarren Dreck aus der Sakristei gefahren, um mich wenigstens beim sonntäglichen Anziehen des Talars nicht schmutzig zu machen. Das wurde von den Crockern vom neben der Kirche liegenden Friedhof aus beobachtet.

Die zentrale Bushaltstelle im Ort war jeden Morgen um 6:00 Uhr der Treffpunkt der werktätigen Bevölkerung, um mit Bussen zur Arbeit gebracht zu werden. Während des Wartens auf die Busse, wurde die vom Pfarrer veranstaltete Kirchenreinigung besprochen. Heraus kam: „Der Pfarrer macht „seine“ Kirche“. Da dachte ich mir, dass hier etwas falsch verstanden wird. Sofort habe ich aus dem Fußboden des Gestühls einen faulen Balken herausgebrochen und diesen in den Gemeinderaum an zentraler Stelle aufgebaut und wie auf dem Bild zu sehen, entsprechend beschriftet. Daneben ein Spendenbuch. Da musste ich mir was anhören! Von wegen „unserer“ verfaulten Kirche und so. Die Diskussion führte schließlich dazu, dass die `Alten` der Gemeinde verlangten, das Spendenbuch in der Kirche auszulegen und jeder sollte sich mit einem Betrag dort eintragen.

Dieses Spendenbuch war zwei Jahre lang die interessanteste Lektüre nach dem Gottesdienst. Es wurde immer genau geprüft, wer noch nicht gezahlt hatte. Dieses „noch nicht bezahlt“ wurde sofort angegangen und die Betroffenen aufgefordert ihren Beitrag zu leisten. Ich wollte es am Ende nicht glauben, aber die gesamten Renovierungskosten von über 100.000,00 DDR-Mark waren zusammen gekommen. Was wollte ich mehr? Wir konnten alle völlig entspannt die Wiedereinweihungsfeier 1985 vorbereiten.

Das Wichtigste war wohl, dass nun die Gemeindeglieder auch von „unserer“ Kirche gesprochen haben. Jetzt war es auch eindeutig, die Pfarrer kommen und gehen, aber die Kirche bleibt im Dorf. Das hat auch die Stasi beobachtet und fleißig in ihren Protokollen vor und während der Kirchweihe festgehalten.

Postkarte Irmelsberg mit Kirche, Crock, um 1900

Postkarte Irmelsberg mit Kirche, Crock, um 1900

St. Veits-Kirche Crock mit Kirchgelände 1489-

St. Veits-Kirche Crock mit Kirchgelände 1489-

 

Einladungskarte zur Wiedereinweihung der St. Veits-Kirche 1985

Einladungskarte zur Wiedereinweihung der St. Veits-Kirche 1985

Der Gemeindezug vom Pfarrhaus zum Festgottesdienst in die renovierten Crocker Kirche.

Pfarrer Dr. Lins, Pfarrer Hinz, Ortspfarrer Ziegner, Oberpfrarrer Loew (v.l.)

 

Die Gemeindeglieder und Gäste schreiten zum Festgottesdienst.

Die Gemeindeglieder und Gäste schreiten zum Festgottesdienst.

Kirchenrat Dr. Herman Lins nahm die Weihe vor in der voll besetzten Kirche. Das war für die Gemeinde sehr eindrücklich. Danach haben wir ein riesengroßes Kirchenfest um die Kirche herum gefeiert, bei herrlichem Wetter.

(von links) Ortspfarrer Johannes Ziegner, Kirchenrat Dr. Herman Lins

(von links) Ortspfarrer Johannes Ziegner, Kirchenrat Dr. Herman Lins

Renovierter Altarraum mit den Originalfarben.

Renovierte Sakristei

Vollbesetzte St. Veits-Kirche zum Festgottesdienst.

Vollbesetzte St. Veits-Kirche zum Festgottesdienst.

Anschließende Gemeindefest um die Kirche herum.

Alter Leiterwagen und Fettbrote.

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