Einzug ins Pfarrhaus Crock (1980)

„Ich alt Haus – halt noch lang aus“

1574 wurde das Crocker Pfarrhaus gebaut, nachdem die Gemeinde evangelisch wurde. Es wurde am Dorfrand errichtet, nahe der Kirche, die 200 Meter entfernt auf dem alten Tingplatz der Kelten 1489 eine ältere Holzkirche ablöste und 50 Meter höher als der Ort Crock liegt. 1980 sind wir als neue Pfarrfamilie in das Crocker Pfarrhaus gezogen. Drei Jahre stand dieses wunderschöne alte und ehrwürdige große Haus leer. Es hatte sich kein Pfarrer gefunden. Mehr durch Zufall sind wir auf diese Pfarrstelle gestoßen. Das ist unsere Geschichte vom Einzug:

Die Rückseite des Pfarrhauses mit kleinem Pfarrgarten.

Die Rückseite des Pfarrhauses mit kleinem Pfarrgarten nach 1983.

Meine Mutter hatte zum zweiten Mal geheiratet, nach Eisfeld bei Crock. Gleichzeitig musste ich mich ja nach meinem Theologiestudium irgendwo bewerben. Mutter meinte, dass in Crock eine freie Pfarrstelle ist. Haus und Kirche in keinem guten Zustand, aber einen großen Garten und wunderschöne Lage von Pfarrhaus und Kirche.

Mit der Bewerbung für die Pfarrstelle Crock erfahre ich, dass in dieser Pfarrstelle von 1925 – 1939 August Schwab Pfarrer gewesen ist. In 2. Ehe hatte er 1933 die Schwester meiner Großmutter Helene Ziegner, Julia Hinderer geheiratet und somit ist letztendlich wieder ein Stück Verwandtschaft in die alte Pfarrstelle Crock eingezogen.

Meine Bewerbung hat sich herumgesprochen. Es kommen schon die ersten Verwandten zum Pfingstfest. Sie wollen das zukünftige Domizil sehen und erleben ein innen völlig zerstörtes Pfarrhaus. In der Vakanzzeit hatte sich nämlich auch ein Pfarrer aus Bitterfeld beworben, der als Grundbedingung für den Einzug die Umgestaltung des Inneren im schwedischen Stil haben wollte. Also hatte der Gemeindekirchenrat damit begonnen, die alten Türrahmen mit den Holztüren und die Fenster herauszuschlagen. Als Kirchenälteste dann vom neuen zukünftigen Pfarrer wissen wollten, wie er sich nun die neue Aufteilung der Wände im Haus vorstelle, ward er nicht mehr gesehen. Von der Haustür konnte man somit bis unter das Dach sehen. So haben wir das Pfarrhaus vorgefunden.

Lockmittel: Zentralheizung

Herr Geiger war damals Kirchenältester. Superintendent Hornfeck hatte, um einen neuen Pfarrer zu locken, eine Zentralheizung besorgt – nagelneu. Damit war man in der DDR König. In nur fünf Monaten wurde das Pfarrhaus durch die Gemeinde renoviert, nachdem sie wussten, dass ich kommen werde. Kacheln und Tapeten haben Freunde und Verwandte aus dem Westen zu uns gebracht. Da waren schon aufwendige Manöver notwendig. Mit dem Umzugstag am 31.7.1980 fanden alle Möbel ihren Platz in dem sehr großzügigen Pfarrhaus. Insgesamt 230 qm Wohnfläche mit einen sehr herrlichen Garten, der von unseren Kindern all die Jahre ausgiebig genutzt wurde.

Begrüßung durch die Crocker Gemeinde

Im Sommer 1980 aber halten wir erst einmal Einzug in Crock. Endlich räumliche Freiheit. Fast 300 Leute kommen gegen 17 Uhr zur Begrüßung vor das Pfarrhaus. Es gibt Bratwürstchen, Bier, Salz, Brot und viel Blasmusik. Ein herrlicher Empfang. Dafür, daß wir aus Erfurt ganz ohne ein „Auf Wiedersehen“ abgezogen sind, ist das hier eine herrliche Begrüßung. Abends geht es in die Gaststätte „Grüner Baum“. Der Gastwirt Gerhard Hartleb ist Kirchenältester. Da habe ich dann für alle einen ausgegeben. Der Bierdeckel mit der Rechnung von diesem Abend habe ich aufgehoben: 89,70 DDR-Mark (!) – für diesen ganzen schönen Einzugstag mit 300 Gästen.

Und es sollte weitere drei Jahre dauern, bis ich mich an bestimmte Details des Hauses machen konnte. Erst im Mai 1983 konnte mit der Renovierung der hinteren Fassade des Pfarrhauses die Gesamtrenovierung abgeschlossen werden. Der hintere Teil des Pfarrhauses war nicht verschiefert und hat eine wunderschöne Fachwerkfassade. Auf einen sehr zentralen Balken habe ich schreiben lassen, für alle, die vom Kirchweg kommen, deutlich sichtbar zu lesen: „Ich alt Haus – halt noch lang aus. 1574 – 1983“. Das hat immer wieder Diskussionen gegeben. Aber ich konnte mit dem alten Haus zusammen nur darüber schmunzeln.

Ansicht des Pfarrhauses Crock 1936, rechts der Kirchweg zur St. Veits-Kirche

Besuch des Pfarrhauses im Dezember 1979, eine einzige Baustelle.

Stand bis 1994 an der Haustür, man konnte ja nicht wissen.

Der Pfarrgarten eine einzige Wüstenei, 5.000 Quadratmeter groß.

Die Rückseite des Pfarrhauses.

Ende September 1980 kommen die Dachziegel für die Neueindeckung des Pfarrhauses. Die alten Ziegel sind kaputt und lassen Wasser und Schnee durch. Leider sind neue „Papp-Türen“ ins Haus eingebaut worden. Diese verziehen sich ständig, denn so ein altes Fachwerkhaus arbeitet auch nach vielen Jahrhunderten immer noch.

Der Durchgang vom Pfarrhaus in den Gemeinderaum.

Der Aufgang in den 1. Stock.

Für das Bad hatte meine Frau von ihrer Cousine „richtige Kacheln“ aus dem Westen bekommen. Das war schon wie Weihnachten und Ostern zusammen..

Das Badezimmer.

Der Heizungsraum.

Hier wurden Jahr für Jahr 5 Tonnen Koks (für Westgeld), 180 Zentner Briketts und ein Traktoranhänger Holz von mir verfeuert, um das Pfarrhaus warm zu halten im Winter.

Das neugestaltete Archiv.

Im März 1982 lässt es sich nicht mehr übersehen: Im Pfarrhaus muss dringend der Fußboden im Bereich des Archivraumes neu gestaltet werden. Der Fußbodenleger kommt und bereitet vor. Danach beginne ich am 19. März das alte Archiv leer zu räumen. Ich besorge Holzplatten in Eisfeld und den Fußbodenbelag in Hildburghausen.

Da ich nun ordentlicher Pfarrer bin, wird mir das Pfarramt in ‚Bausch und Bogen’ durch das Kreiskirchenamt Meiningen übertragen. Das hat mich sehr verblüfft. Kein Abarbeiten von Inventarlisten oder sonstigen Nachweisen. Das ist für mich nicht vorstellbar. Was da jedesmal für ein finanzieller Schaden für die Kirche entsteht, denke ich mir so. Obwohl mein Vorgänger 37 Jahre in Crock Dienst getan hat, haben drei Jahre Vakanz ausgereicht, das Vorhandene so durcheinander zu bringen, daß keiner Lust hatte, das Übriggebliebene noch aufzuzeichnen oder zu archivieren.

Das Pfarrhausarchiv wurde auch während der Vakanzzeit aufgebrochen und mutwillig alles aufgerissen, was archivmäßig verpackt gewesen ist. Es besteht aber seitens des Kreiskirchenamtes bei der Übergabe kein Interesse an einer Aufklärung dieses Sachverhaltes, den alle gesehen haben. Beim genaueren Hinsehen stellt sich heraus, daß gezielt nach Briefmarken gesucht worden ist. 1994 habe ich sehr sorgfältig darauf geachtet, daß das Pfarramt auch wieder in ‚Bausch und Bogen’ zurück übergeben wurde.

Das neu gestaltete Amtszimmer im hinteren Teil des Pfarrhauses.

Der große Pfarrgarten wurde für viele Veranstaltungen genutzt.

Das große Haus und der halbe Hektar Garten haben unsere Kinder so verunsichert, dass sie sich das erste halbe Jahr nicht bis an den Gartenzaun gewagt haben. Er war einfach zu weit weg. Dieser Pfarrgarten hat natürlich seine Meriten: die vielen alten Obstbäume, die der Vor-, Vor-, Vorgänger, Pfarrer Göpfert, vor 80 Jahren gepflanzt hatte. Die Apfelsorten waren fantastisch. Nur mit der Einlagerung in dem nassen Keller klappte es nicht. Dort verschimmelten diese alle. Durch den Keller floss eine Quelle, die vor dem Haus einen 6 Meter tiefen Sandsteinbrunnen füllte. So pressten wir in Poppenwind jedes Jahr 200 Flaschen Most in Handarbeit für 60,- DDR-Mark, die dann auch immer bis zur nächsten Apfelernte reichten und allen schmeckten. Von den Zwetschgen wurde immer frische Kuchen backen oder nach alten ostpreußischen Rezepten Schnaps gebrannt. Oftmals reichte nur ein winziger Schluck und man hatte gemeinsam viel Spaß.

Die Renovierung des Pfarrhauses hatte sich herum gesprochen.

Das Schlafzimmer.

Das Wohnzimmer.

Das Esszimmer.

Auszug aus der Stasiakte

Der IMB „Peter Steinbach“ schreibt:
„…Seine Wohnung ist im rustigalen Stil aber sehr komfortabel eingerichtet… Die Familienverhältnisse sind nach außen harmonisch geordnet. Probleme konnten nicht festgestellt werden. Aus der Ehe gingen bisher drei Kinder hervor. Der Ziegner hat noch drei Brüder. Wobei eine Anschrift im VPKA Hildburghausen nicht bekannt ist. Die Familie Z. unterhält umfangreiche BRD-Kontakte, wobei es bei den Einreisenden sich vorwiegend um kirchlich gebundene Personen handelt ….“

Hauptmann Scarbarth schreibt abschließend:
„…Die operativ bedeutsamen Informationen zu Ziegner müssen als objektiv und überprüft eingeschätzt werden. Der IMB  Peter Steinbach gilt als zuverlässig und dem MfS  gegenüber als ehrlich…“

IMB – Inoffizieller Mitarbeiter im besonderen Einsatz
VPKA – Volkspolizeikreisamt
BRD – Bundesrepublik Deutschland

Der Erweiterungsbau – Konfirmandensaal 1930

Konfirmandensaal Crock

Konfirmandensaal Crock

Konfirmandensaal Crock

Konfirmandensaal Crock

Später wurde es auch die Winterkirche, da bei Frost und Schnee es sehr schwierig war den Irmelsberg zu Gottesdienst zu „erklimmen“. Immerhin fanden in dem Saal bis zu 70 Gottesdienstbesucher Platz.

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