Visitation Kirchspiel Crock

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Auszug aus meinem Tagebuch:

September/Oktober 1991

„Visitation Kirchspiel Crock. Ich habe die angeordnete Visitation genutzt, um nach 12  Jahren Dienst doch einmal zu sehen, wo stehe ich mit meiner Arbeit? Einen Abschlußbericht oder ein abschließendes Gespräch mit den Vorgesetzten Superintendent und dem zuständigen Visitator hat es aber bis heute nicht gegeben. Es gibt auch keinerlei Unterlagen mehr… Anläßlich dieser Visitation, die bei mir kommentarlos endete, muss eine Predigt gehalten (Lukas 12, 15 – 21), es muss ein Gemeindeabend mit den Konfirmanden und ihren Eltern durchgeführt werden, und es gibt einen Fragenkatalog, der ausführlich zu beantworten ist. Darüber hinaus wurde das Pfarramt überprüft. Zu folgenden Themen nehme ich schriftlich Stellung: Struktur und Lage der Kirchengemeinde, Gottesdienstliches Leben, Amtshandlungen, Kirchenraum, Gemeindeleben, Seelsorge, Gemeindekreise, Kirchenmusik, Ökumene, Gemeindeleitung, Verwaltung, Finanzverwaltung… Hier meine Beurteilung des Gemeindelebens:

Visitation im Kirchspiel Crock 
September / Oktober 1991
Beantwortung des Fragenkataloges

1. Struktur und Lage der Kirchgemeinde

Das Kirchspiel Crock besteht aus 3 Gemeinden – Crock und Oberwind, Hirschendorf und Waffenrod-Hinterrod mit ca. 2.100 Einwohnern, davon 1550 Christen. Es gehört zum Landkreis Hildburghausen. Im Kirchspiel herrschen volkskirchliche Strukturen vor. Seit 10 Jahren nimmt die christliche Gemeindezahl ab.

Bis 1980 bzw. 1989 waren diese Ortschaften große Urlauberorte. Ansonsten arbeitete die Bevölkerung zu je 1/3 in der Landwirtschaft, als Angestellte und Arbeiter, sowie in Heimarbeit. Seit 1990 ist in dieser Frage noch keine Tendenz sichtbar. Landwirtschaft
und Heimarbeit sind völlig weggefallen.

In Crock, Hirschendorf und Waffenrod sind große Kirchen vorhanden. Oberwind und Hinterrod können diese jeweils gut erreichen. Bis 1990 gab es nur einen Unterrichtsraum für alle drei Kirchgemeinden im Pfarrhaus in Crock. 1990 selbst stellten uns die Bür-
germeister Räumlichkeiten zur Verfügung. Ab 1991 findet für alle Klassen der Religionsunterricht in der Crocker Schule statt. Alle Orte gingen bis 1990 in die hiesige Schule. Ab 1991 besuchen die Kinder verschiedene Schulen, z.B. in Hildburghausen, Schleusingen und Coburg. Diakonische Einrichtungen gibt es nicht.
Die Zusammenarbeit mit kommunalen und anderen öffentlichen Einrichtungen war bis 1989 auf ein Minimum beschränkt. Nach der 1. demokratischen Wahl hat sich
darin auch nicht viel geändert. Zum Teil sind die alten Köpfe die neuen. Auch muß man sich wohl erst an die Zusammenarbeit mit der örtlichen Kirche gewöhnen. Finanzmittel, die nach 1989 für die Öffentlichkeit bestimmt sind, wurden auch mit den einzelnen Kirchgemeinden geteilt, aber erst auf Druck meinerseits.
Bis 1989 wurden die Aufgaben der Kirchgemeinden so geplant, wie Material und Einsatzbereitschaft vorhanden waren. Jetzt scheitert aller guter Wille am Geld. Trotzdem wird versucht, geplante Aufgaben auch in Zukunft mit vereinten Anstrengungen zu meistern. Dabei wird in Zukunft viel von der Redekunst des Pfarrers abhängen. Den Gemeindegliedern fehlt unter den derzeitigen Umständen oftmals der entsprechende Weitblick, so wie ihn die Vorfahren hatten, als sie die herrlichen Kirchen bauten. Bis 1989 wurden die Gemeindeglieder durch Besuche in der Kirchgemeinde über andere Gemeinden informiert. Aus Kasachstan, Ungarn, Afrika, Holland, England, Schweden, BRD, Frankreich, CSSR, Polen und verschiedenen DDR-Gemeinden hatten wir immer wieder Besuch. In Form von Gemeindeabenden, Gemeindefesten und Dia-Vorträgen wur-
den unter sehr guter Beteiligung die hiesigen Gemeindeglieder informiert.

Die Zurüstung für den Zeugendienst am Arbeitsplatz des Einzelnen geschieht durch
ein regelmäßiges Gottesdienstangebot, Bibelwochen und Gemeindeabende. Nichtchristen
wurden ebenso eingeladen am gottesdienstlichen Leben teilzunehmen, was sich am stärksten zu Gemeindefesten äußerte, oft zum Ärger der Christen. Volkskir-
che bleibt eben Volkskirche.

2. Gottesdienstliches Leben

In Crock findet jeden Sonntag Gottesdienst statt, in Waffenrod und Hirschendorf 14 tägig. Der Gottesdienstbesuch ist gut. In Crock kommen wöchentlich 70 Gemeindeglieder, in Hirschendorf alle zwei Wochen 10% von 175 Gemeindegliedern und in Waffenrod
alle 14 Tage 8% von 450 Christen. Diese Zahlen schwanken ganz leicht. Die Gottesdienstbesucher sind im Durchschnitt 45 Jahre alt. Familiengottesdienste
werden in der Regel nur in Crock gehalten, wozu die anderen Gemeinden eingeladen werden. Die Besuche zu solchen Familiengottesdiensten sind sehr gut (ca. 200 teilnehmer). An Sondergottesdiensten wird die Gemeinde immer beteiligt, was sich natürlich sehr positiv auf den Besuch und auf die Durchführung der Veranstaltungen auswirkt (Gemeindefeste bis 2000 Besucher z.B.).

Das Abendmahl wurde ab 1980 im Gottesdienst gefeiert. Ab 1984 wird es als Wandelkommunion begangen mit dem Erfolg, daß eine 100% Teilnahme erreicht wurde. In Crock wird alle 4 Wochen Abendmahl gefeiert, in den Nachbargemeinden in größeren Abständen. Die Beichte wird als allgemeines Sündenbekenntnis direkt nach der Predigt (vor dem Abendmahl) gehalten (siehe Anlage). Die Gemeinde geht nach dem Gottesdienst nach Hause, besondere Gemeinschaften danach gibt es nicht. Der Kindergottesdienst wurde im Winterhalbjahr von Müttern im Pfarrhaus abgehalten, nach dem Gottesdienst. Im Sommer fand er nicht statt. Das war sehr mutig. Doch mit der Wende hörte dieser „Mütterdienst“ aus Zeitmangel auf. Leider fehlen uns immer noch an der Kirche in Crock die entsprechenden Räumlichkeiten, später sollte während der Predigt die Kinderpredigt gehalten werden.

In Hirschendorf lief diese Art von Unterrichtung zwei Jahre lang in der Sakristei der Kirche. Seit der Wende gibt es auch das nicht mehr. Dafür  gehen alle Getauften in den angebotenen Religionsunterricht (150 Kinder von 300 Schülern insgesamt). Auswirkungen des Gottesdienstes im Alltag sind nur schwer zu erkennen, wohl erst richtig immer
nach dem Weggang des Pfarrers.

3. Amtshandlungen

Die Taufhandlungen werden seit 1980 im Gottesdienst gehalten, außer bei Krankheit des Täuflings. In dem Fall kommen die Angehörigen erst zum Gottesdienst und dann fahren wir nur zur Taufhandlung in die Wohnung. Die Taufzahlen sind gleich geblieben. Es werden fast alle Kinder getauft, die geboren werden. Die Namensgebung konnte sich nicht durchsetzen. Eltern, die sich erst für die Namensgebung entschieden haben, haben dann später ihre Kinder taufen lassen.

Erwachsenentaufen gibt es auch deshalb selten, kommen aber immer wieder vor und werden meist von Auswärtigen / Zugereisten verlangt. Mit diesen „Täuflingen“ werden 5 Unterrichtsabende zu Grundfragen des Glaubens gehalten. Mit der Taufe erhalten sie auch gleich das Abendmahl.

Die Trauungen finden seit 11 Jahren nur am Samstag statt. Der Polterabend dagegen
hat sich auf den Donnerstag vorgeschoben. Sehr viele Hochzeiten gibt es nicht, 1991 fand keine statt. Eine Auswirkung der „Wende“. 1/3 aller Ehen werden nur standesamtlich geschlossen. In 11 Jahren wurde eine Mischehe geschlossen, die aber ohne den katholischen Amtsbruder stattfand. Dieser hatte keine Zeit! Wiedertrauungen gab es im selben Zeitraum zwei. Auswärtige kamen öfters, um sich in Crock oder Hirschendorf in diesen wunderschönen Kirchen trauen zu lasen.

Es gibt eigentlich eine feste Reglung in Hinsicht auf die Bestattungsformen, die aber nur noch zu 50% in Crock durchgehalten wird. Der erste Ehepartner, der stirbt, bekommt die Erdbestattung, der zweite Partner die Feuerbestattung. Die Urne kommt dann mit in das Erdgrab. Familiengräber gibt es nicht. Bis 1981 fanden, bis auf die Erdbestattungen,
alle Bestattungsfeiern im Eisfelder Krematorium statt. Doch durch „glückliche Umstände“ konnten die Trauerfeiern ab 1981 erst in Crock und dann später in den Filialien in den eigenen Kirchen abgehalten werden. Dazu wird der Trauerzug vom Trauerhaus abgeholt, der Gottesdienst gefeiert und anschließend die Beisetzung vollzogen. Die Beteiligung schwank zwischen 100 und 300 Gemeindegliedern, da aus jedem Haus immer mindestens eine Person mitgeht. Eine schöne Tradition.

Es wird „gleichmäßig gestorben“, im Jahr ca. 25 Todesfälle. Bis zur Wende wurden oft auch Gemeindeglieder, die aus der Kirche ausgetreten, durch mich beerdigt, nach Absprache mit  dem Gemeindekirchenrat. Es war oft der Wunsch der Angehörigen, die Kirchenmitglieder waren. In diesem Fall fiel dann der Trauerzug und das Glockenläuten aus, um für die Gemeinde ein sichtbares Zeichen zu setzen. Nach der Wende kommen
die Angehörigen von Nichtchristen nicht mehr, sie bestellen gleich einen Redner. Der Gemeindekirchenrat würde jetzt wohl auch anders entscheiden, da jeder die Möglichkeit hat, sich wieder in der Kirche anzumelden.

Bis zur Wende war die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Krematorium den Umständen entsprechend gut. Der äußere Rahmen war oft unter aller Würde, doch stoßen sich die Menschen an solchen Dingen nicht. Seit 1989 gibt es langsam in diesen Dingen einen Fortschritt zu verzeichnen. Man achtet auf die Äußerlichkeiten, da sonst das nächste Bestattungsinstitut angefordert wird. Das Geld macht es möglich.

4. Kirchenraum

Bis 1990 war die Kirche in Crock im Sommer jeden Tag geöffnet. Viele Urlauber kamen, um sie sich anzuschauen. Es gab oft sehr interessante Gespräche. Die Kirchen in Hirschendorf und Waffenrod blieben geschlossen. Nach 1990 kamen immer seltener Urlauber, Fremde und Gäste. Die Kirchen werden jedoch nach wie vor geöffnet, aber die Tür mit einem Eisengitter versperrt, so daß man nur von außen hineinschauen kann.
Wer sie wirklich sehen will, der kommt in das Pfarrhaus oder sucht in den Filialien den Gemeindekirchenrat auf. Jeder Kirchenälteste hat einen Schlüssel.

Bei den völligen Renovierung der Kirchen haben sich die Gemeinden mit sehr viel Engagement beteiligt. Alle Handwerksleistungen wurden gespendet. Die anfallenden Rechnungen konnte durch das Spendenaufkommen bezahlt werden. Unter den heutigen Umständen ist das wohl im Moment nicht möglich. Inzwischen sind in allen drei Gemein-
den die Kirchenältesten für die Ausgestaltung und Vorbereitung der Gottesdienste verantwortlich. Für jeden Ort gibt es eine Läuteordnung. Das Abendläuten um 18.00 Uhr
ist ab Januar 1992 in jeder Gemeinde wieder zu hören.

5. Gemeindeleben

Der Predigtdienst ist tatsächlich ein Kapitel für sich. Der Pfarrer hat ja „darauf studiert“, sagen die Leute. Also muß er es irgendwie „bringen“. Eine feste Predigtvorbereitungszeit gibt es nicht, genausowenig, wie es keinen Predigtfreien Sonntag oder arbeitsfreien Montag gibt. In einer volkskirchlichen Gemeinde hat man präsent zu sein. Nach 11 Jahren muß ich sagen, daß dieser Arbeitsstil auf die Dauer nicht auszuhalten ist. Als Prediger muß man auch Zeit  haben,  sich zu besinnen. In den vergangenen 10 Jahren habe ich die Renovierung von 3 Kirchen organisiert, d.h. auch auf den Baustellen mit gearbeitet,
Material besorgt und Handwerker verköstigt. 150 Christenlehrekinder wurden wöchentlich unterrichtet und Seelsorgebesuche gemacht, und und und… Eine gewisse Zeit schafft man alles, aber dann fehlt die Zeit zum Regenerieren. Eine Gemeinde fragt nicht nach dem
innerlichen Zustand des Pfarrers. Doch inzwischen lernen die Kirchenältesten, daß sie auch Funktionen haben. Sie kümmern sich jetzt verstärkt um die Gottesdienstvor-
bereitung und auch die Instandhaltung ihrer renovierten Kirchgebäude. Das fiel ihnen zu Anfang schwer, aber sie werden es lernen. Ab und zu gelingt eine gute Predigt, die dann natürlich auch von Mund zu Mund geht. Lektoren wurden auch schon eingesetzt, jedoch nicht aus der eigenen Gemeinde, aber z.B. die Pfarrfrau und Lektoren aus Eisfeld und Coburg. Der Gottesdienst wird mit den einzelnen Lektoren vorher durchgesprochen .

Die Kirchenarbeit wird auch über andere Schienen betrieben. Konzerte, Gemeindeabende und Gemeindefeste zeigen auch ein anderes Bild von der Kirche. So waren bei uns: Thür. Akad. Singkreis, Andreas Kammerorchester, Prof. Ludwig Güttler mit dem Blechbläserensembel und dem Leipziger Bachcollegium, die Wuppertaler Posaunenmusik, das Hirschendorfer Ensemble, eine Rockformation aus Halle, Gloria sonoris aus Gotha und andere mehr.

Die Gemeindeabende waren geprägt durch unsere Gäste aus aller Herren Länder.
Die Gemeindefeste hatten kein Thema, fanden meist am Tag des Namenspatron St. Veit statt und sie sollten der Kommunikation untereinander dienen. In jedem Jahr wurden diese Veranstaltungen in allen drei Orten durchgeführt. Für die Christen eine ganz neue
Möglichkeit, sich und die Kirche vorzustellen.

Durch unsere Arbeit im Gustav-Adolf-Werk wurden die Gemeinden stark an der äußeren Mission beteiligt. So manche Spende wurde gesammelt und Auslandsgemeinden zur
Verfügung gestellt, bzw. durch Gemeindeglieder überbracht. Aufenthalt und Fahrtkosten wurden durch die Gemeinden getragen. Christen aus verschiedenen Ländern verbrachten auf Einladung unserer Gemeinden hin ihren Urlaub in unseren Orten, z.B. Pflegerinnen ei-
nes evangelischen Kinderheimes in Ungarn, Wolgadeutsche aus Tschimkent, Gemeindepraktikum zwei ungarischer The

6. Seelsorge

Die Gemeinden sind sehr auf Seelsorge eingestellt, besonders die älteren Gemeindeglieder. Doch auf Grund der oftmals totalen Überforderung durch amtsfremde Tätigkeiten,  bleibt dem Seelsorger auch nach 11 Jahren ein schlechtes Gewissen. Einen Besuchsdienst gibt es nicht, da nur der Besuch des Geistlichen gilt! 120 Geburtstagsbesuche stehen durchschnittlich jedes Jahr auf dem Programm. Kran-
kenhausbesuche werden sporadisch gemacht. Todkranke werden wöchentlich besucht. Während der jahrelangen Bauphasen mußten die Handwerker immer wieder aufgesucht werden, dadurch wurden auch viele Familien erreicht, in allen Orten. Seelsorge am Sterbebett wird dagegen nicht begehrt. Jedoch konnte ich öfters das Krankenabendmahl reichen. Die Einzelbeichte kann man wohl nicht so nennen. Es gab in den letzten Jahren
sehr viele gute Einzelgespräche, die ich zur Einzelbeichte rechnen würde.

Christenlehre wurde bis 1990 im Pfarrhaus gegeben. Der Konfirmandenunterricht findet immer nach dem Gottesdienst in den Kirchen statt. Lehrpläne lagen verschiedene zu Grunde, doch so richtig hatte sich keiner bewährt, weil jahrgangsübergreifend gearbeitet wurde. Darum wurden eigene Lehrpläne erstellt. Unterrichtet wurde durch mich und meiner Frau.

In den letzten 3 Jahren war die Kinderbibelwoche ein ganz besonderer Höhepunkt. Auch konnten nach der Wende gemeinsame Konfirmandenfreizeiten gehalten werden. Die Jugendarbeit gelingt manches Jahr, dann wieder nicht. Von uns wurden jährlich die
Jugendtreffen mit der Patengemeinde für die hiesigen Jugendlichen organisiert.

1991 hat der evangelische Jugendkreis ein Nikolausspiel und ein modernes Krippenspiel einstudiert, was auch jeweils zur Aufführung gekommen ist. Die Kinder, die nicht getauft wurden, werden von den Eltern von kirchlichen Veranstaltungen abgehalten. Erst jetzt im Religionsunterricht sitzen auch Ungetaufte mit im Unterricht. Die Konfirmandenzahlen liegen immer bei der Hälfte einer Schulklasse. Doch wird sich das zum positiven ändern, da fast alle Kinder seit zwei Jahren getauft werden. Über die Arbeit im Religionsunterricht und über die Konfirmandenarbeit werden die Eltern in gemeinsamen Elternabende jährlich informiert.

Seit 1987 dürfen alle Getauften ab der 1. Klasse zum Abendmahl kommen. Zum
Erntedankfest wird jeweils die 1. Klasse zum Tisch des Herrn eingeladen. Diese Situation wurde sofort von der Gemeinde angenommen. Ganze Familien gehen somit gemeinsam zu Abendmahl.

7. Gemeindekreise

Männerarbeit gibt es nicht in den Gemeinden. Die Frauenarbeit gibt es seit 1980 intensiv. Durchgeführt wurden diese Veranstaltungen bis 1990 durch meine  Frau.  Basare wurden vorbereitet,  Gäste betreut, geistliche Themen behandelt durch Referenten, Dia-Abende und Weltgebetstage abgehalten, sowie Gemeindefahrten veranstaltet (nach Heiligenstadt, Rhön, Lützen, Staffelstein, Stadtilm usw.).

Seitdem meine Frau aus dem Kirchendienst ausgetreten ist, ruht dieser Aufgabenbereich.
Bibelarbeit gibt es wenig. Es wurden in den ersten Jahren Bibeltage von mir gehalten, jedoch ohne großes Interesse der Gemeinde. Das änderte sich auch nicht, als die Gemeindeglieder in diese Arbeit mit einbezogen werden sollten, z.B. im Bibelgesprächskreis.

Kinderbibelwochen sind jedoch der „Renner“, mit steigender Tendenz gewesen. Leider fehlen im Moment die Räumlichkeiten und die Mitarbeiter, um eine solche Großveranstaltung eine Woche lang jeden Tag durchzuziehen (tägl. bis zu 90 Kinder vormittags mit Imbiß).

Alle Kirchlichen Werke werden durch den Kollektenplan von den Gemeinden mitgetragen. Besonderer Augenmerk lag bis 1990 auf dem Gustav-Adolf-Werk. Vor der Wende waren Bibeln begehrt, ebenso christliches Schrifttum. Jetzt im Moment ist es eine Geldfrage. Die Kirchgemeinde kann selbst nicht mehr so großzügig diese Dinge erwerben.

8. Kirchenmusik

Es gibt in allen drei Orten Kirchenmusiken mit ehrenamtlichen Organisten, die sehr verantwortungsvoll ihren Dienst versehen. In Crock und Hirschendorf gibt es auch einen Kirchenchor, der zu Festtagen und Beerdigungen auftritt. Leider gibt es fast keinen Nachwuchs mehr. Die Pfarrfrau, zusammen mit einer Kirchenältesten betreuten jahrelang einen Kinderflötenkreis, der regelmäßig zu kirchlichen festtagen aufgetreten ist.

9. Ökumene

Bis auf eine    Ausnahme sind alle Christen evangelisch , dadurch    gibt es keinen ökumenischen Kontakt und auch keine    Verbindungen zu anderen Glaubensgemeinschaften .

10. Gemeindeleitung

Der Ortspfarrer wird durch die Gemeindekirchenrat in seiner Amtsführung unterstützt, jedoch gibt es keinen Mitarbeiterkreis aus der Gemeinde. Das Bild von einem
Pfarrer ist in dieser Volkskirche einfach zu „hoch angebunden“. Die äußeren Bedingungen zu Amtsführung sind jetzt, nach 11 Jahren, optimal. Durch mancherlei Spenden von ehemaligen Crockern und auch Kirchgemeinden können wir eine Bürotechnik anwenden, die modernsten Anforderungen entspricht. Das erleichtert gerade jetzt das große Maß an bürokratischer Pfarramtsarbeit.

Die Gemeindekirchenräte sind jeweils zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt. Seit 1989 habe ich den Vorsitz und auch die Stellv. Funktion im Gemeindekirchenrat abgegeben. Die- se Phase der Umstellung muß jetzt ausgehalten werden. Die Kirchenältesten nehmen mit viel Verantwortung ihre neuen Aufgaben wahr. In übergemeindlichen Arbeitskreisen nimmt kein Kirchenältester teil. Seit dem 1.12.1991 wird eine ABM- Kraft beschäftigt, die das Archiv der Kirchgemeinde aufarbeitet. Eine Forderung, die seit 1980 durch das Kreiskirchenamt besteht.

11. Verwaltung

Die Verwaltung des Pfarramtes nimmt den größten Teil der Arbeit ein. Das ist nicht gut und sollte verändert werden. Ich habe nicht Theologie studiert, um ein Büro zu leiten. Doch denke ich, daß in naher Zukunft eine Pfarramtssekretärin diese Aufgaben übernehmen könnte. Die neue Zeit bringt unter anderem ganz neue Problemfelder in die Seelsorge, die
viel Zeit brauchen. Der Bericht über die Pfarramstübergabe 1983 liegt vor, ebenso der Bericht über diese Visitation. Die Seelsorgekartei, die Kirchgeldkartei, überhaupt alle angelegten Formen von Karteien werden demnächst auf Computer gebracht werden, damit sie ordentlich erfaßt sind und auch ausgewertet werden können. Alle anderen Punkte dazu im Visitationsbericht 1991.

12. Finanzverwaltung

Der Haushaltsplan wird von den Gemeindekirchenrats-Mitgliedern erstellt. Für die Kirchrechnungen gibt es jeweils einen Kirchrechnungsführer. Diese ganzen Arbeiten müßen in Zukunft zugunsten der Gemeindearbeit vereinfacht werden. 3 Kassen,
3 Rechnungen, 3 Haushaltspläne, 3 Kirchrechnungsführer und und und…in Zukunft soll das mit dem Computer erfaßt werden. Seit der Wende gibt es keine finanziellen Rücklagen. Spenden- und Kollektenaufkommen sind aber gleich geblieben. Hirschendorf und Crock mußten Darlehen aufnehmen, um eine Ölheizung in das Pfarrhaus einzubauen bzw. Renovierungsarbeiten zu beenden. Die Raten können gut abgezahlt werden.

Alle drei Kirchen befinden sich in einem baulich sehr guten Zustand. Elektrik und Heizung sind auf dem neusten Stand. Das Pfarrhaus wurde in 10 Jahren renoviert und entspricht ebenso den modernsten Anforderungen. Die Küsterei muß nach dem Auszug der
Küsterfamilie völlig umgebaut werden. Das gebäude entspricht nicht den einfachsten Anforderungen. Dafür gibt es von der Gemeinde her schon Pläne. Für die Gemeindearbeit reichen leider die Räumlichkeiten nicht aus. Bei  aller  Planung vor Jahrzehnten ist man immer nur vom Gottesdienst ausgegangen. In den Filialien gibt es von daher nicht einen zusätzlichen Raum, außer der Kirche. Das erschwert die Gemeindearbeit im Winter, gerade wo Gemeindeglieder mehr Zeit haben.

Die Ländereien, die der Landeskirche gehören, waren bis 1991 in der LPG eingebracht. Doch diese Verträge sind jetzt ausgelaufen. Das Landeskirchenamt wurde davon
in Kenntnis gesetzt. Der Pfarrgarten (1/2 Hektar) wird durch mich gepflegt. Der Kirchgarten durch die Gemeinde.

Der Friedhof in Crock und in Waffenrod gehört der politischen Gemeinde. Der Friedhof in Hirschendorf gehört der Kirche, wird aber durch einen Pachtvertrag der politischen Gemeinde überlassen. Seit einem Jahr wird durch mich ein Gemeindeblatt gestaltet, gedruckt und 2-monatlich in einer Auflage von 550 Stück verschickt. Aus dem Gemeinde-
blatt sind die Gottesdienstzeiten, Gemeindeveranstaltungen und aktuelle Informationen zu ersehen.“

Crock,   den  02.01.1992
Johannes Ziegner
, Pfarrer