400 Jahre Schule in Crock (1991)

Eklat zum Schuljubiläum

Nachdem die Crocker Kirchgemeinde 1989 die 500 Jahr-Feier ihrer Kirche noch unter dem „real existierenden Sozialismus“ ausgestaltet hatte, begeht 1991 die ganze Dorfgemeinde im vereinten Deutschland das 400-jährige Jubiläum ihrer Schule. Vier Jahrhunderte Schule in unserem kleinen Dorf sind  Anlass, Rückblick zu halten. Doch am Ende sollte alles anders werden als fröhliches feiern. Nach meiner Ansprache in der Kirche wurden die „Messer“ gewetzt. Das fing schon seitens des Schulleiters damit an, dass an meiner Schulbroschüre massiv Kritik geübt wurde. Zu weiteren Vorbereitungsgesprächen für das 400jährige Schuljubiläum wurde ich garnicht mehr eingeladen. So habe ich die Schulgeschichte aufgeschrieben und veröffentlicht:

Schulgeschichte: Crock und seine Schule

Bilder Schulgeschichte Crock

Bilder Schulgeschichte Crock

Auszug aus meinem Tagebuch zur Festveranstaltung 400 Jahre Crock
27.05.1991

„Es mußte kommen, wie es kommen mußte. Die Schule wollte mich bei den Vorbereitungen nicht dabei haben, also haben Günter Gänsekiel und ich die Festbroschüre gestaltet und ich habe auch mit dem Gemeindekirchenrat den Festgottesdienst mit  einem Gemeindefest vorbereitet.

Dann fragt mich plötzlich der Bürgermeister:
„In der politischen Gemeinde gibt es keinen großen Raum für eine offizielle Festveranstaltung. Sind Sie bereit, die Kirche dafür zur Verfügung zu stellen?“ – „Gern“, habe ich geantwortet, „wenn ich ein Grußwort sprechen darf.“ – „Natürlich dürfen Sie sprechen, Sie sind doch der Hausherr“, war die Antwort des Bürgermeisters. Er konnte nicht ahnen, was er mit dieser Zusage auslösen würde.

Also die Festveranstaltung:

Schulleiter Genosse Bandekow hält in der voll besetzten Kirche eine lange Rede. Er beginnt mit der Schulgeschichte bei Karl dem Großen. Zu den letzten 40 Jahren hat er nicht viel zu sagen, außer, daß nichts falsch gemacht worden ist, man keine Belehrungen nötig habe und so weiter. Die Genossin Rosemarie Böhlau –  die verschärfte, hinterlistige und linientreue Deutschlehrerin der Crocker Schule – trägt „Das Göttliche“ von Goethe vor. Dann Musik und Chor. Danach gehe ich vor und halte meine Ansprache zur 400 Jahrfeier der Crocker Schule:

„Nach den Worten meiner Vorredner (Bürgermeister und Schuldirektor) möchte ich meine Ansprache ungeschützt daneben stellen. Der Hörer möge dann selbst entscheiden.

Liebe Gemeinde, liebe Gäste!

Vor zwei Jahren haben wir hier mit einem großen Fest der 500-Jahrfeier dieser St.-Veits-Kirche gedacht. Nach dem Gottesdienst ergab sich ein kurzes Gespräch mit den Mitarbeitern von der Abteilung Inneres vom Rat des Kreises. Unter anderem sagten sie damals: „Nun, Herr Ziegner, jetzt gibt es nichts mehr zu feiern.“ Darauf ich: „Doch, die 400 Jahrfeier der Schule.“ Die Antwort: „Das feiern sie nicht. Das ist unser Fest.“ Die Abteilung Inneres sollte recht behalten.

Wehte der Geist dieser Worte nicht bis in diese Festwoche hinein? Doch vor 112 Jahren durfte der damalige Pfarrer die neu erbaute Schule im Ort einsegnen. Und 320 Jahre lang hat die Ortskirche den Lehrer besoldet und war für die Erhaltung der Schule, sowie für die Beschaffung der Unterrichtsutensilien verantwortlich.

Die Freude über ein solches Jahrhundertereignis wird zumindestens bei mir durch die letzten 40 Jahre getrübt. Es fällt schwer, die ganze 400 jährige Geschichte der Crocker Schule im Blick zu behalten, weil die letzten vier Jahrzehnte zu tiefe Wunden geschlagen haben. Die Aufarbeitung dieser ganz speziellen Vergangenheit liegt mir am Herzen, um wieder Frieden in das Verhältnis Schule und Elternhaus zu bringen. Es geht um unsere Kinder, die wir auf einem neuen Weg, in eine neue Zukunft begleiten wollen.

Fast zwei Jahre ist die friedlichste Revolution aller Zeiten nun schon alt. Das Volk hat sich auf einen neuen Weg begeben, doch die Vergangenheitsbewältigung darf hierbei nicht beiseite geschoben werden. In dieser Richtung hat sich im Schulwesen bisher am wenigsten getan. Die neuen Köpfe sind oft die alten geblieben. Und trotzdem hört man Worte wie: Ich habe mit der Vergangenheit abgeschlossen; ich bin kein Wendehals, sondern ein völlig neuer Mensch. Schön, wenn mancher das von sich sagen kann. Nur ich kann gerade das im Moment nicht glauben. Ist es doch gerade der wundeste Punkt in der ganzen Vergangenheitsbewältigung, daß es gerade diesen wieder am schnellsten gelingt, sich in kürzester Zeit mit einer neuen Regierung zu arrangieren.

Hatten sie es nicht im alten System gelernt, sich anzupassen oder sich unauffällig zu verhalten? Machte man für die eigene Karriere nicht Zugeständnisse und arbeitete auch mal für die Staatssicherheit? Doch was uns alle gleichermaßen traf, war die Deformation des Bewußtseins und die Vergewaltigung des Gewissens. Unzählige haben in dieser langen Zeit genau das verloren, was als die Freiheit des Gewissens zu bezeichnen wäre.

Was wird nun mit denen, die unter diesem vergangenem System seelisch krank geworden sind? Was ist mit jenen Lehrern, die es ehrlich meinten und nicht übertreiben wollten mit der Ideologie und die Freiräume für die Kinder gesucht haben? Wer gibt ihnen ihre Nerven zurück, die sie dabei gelassen haben? Wer arbeitet das Problem des gegenseitigen Anzeigens innerhalb der Lehrerschaft auf? Warum wurden Christen oft genug von Formen der höheren Bildung und höheren Positionen ausgeschlossen? Beispiele hier zu nennen ist oft nicht möglich, weil vieles so nicht zu greifen ist, es passierte unterschwellig subtil, hinter dem Rücken anderer.

Wir stehen vor einem Scherbenhaufen an der Schwelle zu einem neuen Schuljahrhundert. 40 Jahre geistige Verwüstung läßt sich eben nicht in zwei Jahren in Ordnung bringen und nach wie vor, so hat es unser Landesbischof formuliert: „Nach wie vor wird der Neuanfang im Land durch Überreste der stalinistischen Ideologie behindert.“ Wie gehen wir damit um? Vielleicht so, daß Eltern schon wieder Angst vor einem Bildungssystem haben, in dem sich in den neuen-alten Köpfen festgefahrene Strukturen nicht auflösen?

Von der angeblichen Gesprächsbereitschaft im Sozialismus, zwischen Kirche und Staat, die ja nur allzu oft öffentlich gepriesen wurde, war gerade im Bildungsbereich nichts zu spüren. Heute muß deshalb vieles nachgeholt werden, damit man nicht in Festschriften über einander schreibt, sondern miteinander redet. Sicher ist die Empfindlichkeit gerade hier groß, die seelische Haut besonders dünn. Wie gehen wir damit um? Ich will versuchen, darauf Antworten zu geben.

Könnte es nicht sein, daß man Fehler eingesteht, sich die Schule öffentlich entschuldigt, für das, was an Unrecht geschehen ist? Es kann doch nicht sein, daß alles so weiter geht, als wäre das Vorausgegangene, 40 Jahre sozialistisches Bildungssystem mit allen Härten, nicht gewesen.

Könnte es nicht sein, daß die Schule in einem offenen und ehrlichen Gespräch
mit den Eltern Vergangenes aufarbeitet und gemeinsam einen neuen Anfang sucht? Es geht doch nicht, daß gerade bei der derzeitigen Überprüfung der Lehrer mit einmal nur vom Glück und der Zukunft von Lehrerfamilien gesprochen wird, die auf dem Spiel stehen. Wie oft haben 150% Lehrer in der Vergangenheit nach dem Glück und der Zukunft von christlichen Familien und Kindern gefragt, die sich auf Grund ihrer Einstellung eben dem vergangenen System nicht angepaßt haben?

Könnte es nicht sein, daß nach 40 Jahren Kirchenfeindlichkeit die Kirche nun wieder Eingang auch in unsere Schule findet? Die christlichen Lehrer, die bis 1914 und darüber hinaus hier ihren Dienst oft unter unsäglichen Mühen getan haben, haben nie vergessen, daß die ihnen anvertrauten Kinder Geschöpfe Gottes waren. Von dieser Grundeinstellung her sind sie mit ihnen verantwortlich umgegangen.

Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit um, wenn wir nun in ein neues Jahrhundert Schule blicken? Mit Freude habe ich in den Biografien vergangener Lehrergenerationen gelesen, daß sie im Glauben an den Schöpfer aller Dinge gemeinsam mit der Kirche und dem Gemeindevorstand die Geschicke der Crocker Schule Jahrhunderte geleitet haben.

An der Schwelle eines neuen Jahrhunderts dieser hiesigen Schule, stelle ich mir eine Schule vor, in die unsere Kinder wieder gern gehen, in der sie alles lernen können, wonach sich ihre Herzen sehnen. Eine Schule, in der Kinder wieder ihre Meinung sagen dürfen, ohne dafür Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Ich stelle mir eine Schule vor, in der Lehrer wieder Persönlichkeiten sind, zu denen die Kinder mit Achtung aufblicken können.

Ich stelle mir eine Schule vor in der Eltern nicht bedenkenlos alles mitmachen, sondern wieder offen und kritisch den Bildungsweg ihrer Kinder begleiten. Ich stelle mir eine Schule vor, in der Lehrer, Eltern und Schüler ehrlich miteinander umgehen.

Ich wünsche der Crocker Schule den Segen Gottes für einen Neuanfang. 400 Jahre Schule in Crock, das sind 400 Jahre Vergangenheit. Blicken wir nun gemeinsam nach vorn und sind wir alle bereit das zu tun was nötig ist,  damit wir über die Wunden der vergangenen Jahre gemeinsam hinweg kommen. Danke.“

Scherbenhaufen zur Schulfeier 1991

Scherbenhaufen zur Schulfeier 1991

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Schatten der Vergangenheit über Crocker Schuljubiläum
Neues Unrecht darf nicht sein!
Bandekow: „Wir bekennen uns.“
Ziegner: „Alte Köpfe sind neue Köpfe!“

Über die am Montagabend in der St.- Veits – Kirche stattgefundene Festveranstaltung anlässlich des 400jährigen Jubiläums der Crocker Schule wird in der Gemeinde und darüber hinaus noch lange gesprochen werden. Im Beisein von Thüringens Sozialminister Dr. Hans-Henning Axthelm geriet der offizielle Höhepunkt der Feierlichkeiten nämlich keineswegs nur zu einem Hohelied auf die 400jährige Historie des 1591 mit einer Lehrerwohnung begründeten Schulstandortes Crock. Die Ansprachen von Schuldirektor Werner Bandekow einerseits und Ortspfarrer Johannes Ziegner erzeugten in ihrer Gegensätzlichkeit der Auffassungen zu den zurückliegenden 40 Jahren Bildungspolitik in der DDR eine bis zum Bersten gespannte Atmosphäre, die den eigentlichen Anlass der Reden vergessen und die Feierlichkeit in den Hintergrund treten ließ. Die Schatten einer nach wie vor und auch durch Fragebögen nicht zu bewältigenden Vergangenheit holt in Crock die Wirklichkeit ein.

Schuldirektor der Werner Bandekow hatte in seiner Festansprache die 400 Jahre Croker Schulgeschichte kurz Revue passieren lassen und war ausführlich vor allem auf die letzten 40 Jahre eingegangen. Die 10klassike POS habe, so der Direktor, eine Entwicklung mit sich gebracht, die erstmals nicht am Lande vorbei gegangen sei. Es habe aber neben Vorzügen auch manche Nachteile gegeben, die es nun mit dem vorläufigen Thüringer Bildungsgesetz zu beseitigen gelte. Bandekow bekannte, daß sich die Lehrer zu Erfüllungsgehilfen der Politik gemacht hätten und gegenüber den sich immer mehr ausbreitenden stalinistischen Strukturen zu unduldsam waren. Eine alleinige Verantwortung der Lehrerschaft für das in den vergangenen 40 Jahren Geschehene wies Werner Bandekow aber ab: „Wer den Lehrern daran die alleinige Schuld gibt, macht es sich zu  einfach. Wir Lehrer stellen uns der Vergangenheit und sind bereit, den Teil der Schuld zu tragen den wir haben“. Künftig müßten die Lehrer auf Seiten der Kinder und nur dort zu finden sein.

Ortsfahrer Johannes Ziegner brachte in seiner Ansprache deutlich zum Ausdruck, daß ihn die Entwicklung des Schulwesens seit der Wende nicht befriedigt. „Im Schulwesen hat sich am wenigsten getan, hier sind die alten Köpfe die neuen Köpfe“, sagte der Geistliche und warf der Lehrerschaft vor, sich am schnellsten wieder mit der neuen Macht arrangiert zu haben. An der Schwelle zu einem neuen Schuljahrhundert, so Ziegner, stehe man vor einem Scherbenhaufen, den die Deformation des Bewusstseins und die Vergewaltigung des Gewissens herbeigeführt hat. „40 Jahre Deformierung lassen sich nicht in zwei Jahren beseitigen“, sagte Ziegner. Er hätte sich von der Schule gewünscht, daß sie Fehler eingesteht und sich öffentlich entschuldigt für begangenes Unrecht. Zum Ende seiner in der bist du auf den letzten Platz gefüllten Kirche mit Beifall bedachten Rede wünscht sich Johannes Ziegner eine Schule, in der die Kinder wieder ohne Furcht ihre Meinung sagen können, in der ehrlich miteinander umgegangen wird und Gottes Segen für einen Neuanfang.

Auch der CDU Bundestagsabgeordnete Arnold Kriedner übte herbe Kritik an den Lehrern in der Ex-DDR: „Ich hätte mir gerade aus der Schule mehr Widerstand erwartet. Aber die Schule war der meisten biegsame Ort. Die Lehrer müssen bekennen, sich fast bis zuletzt einer Sache des Unrechts verschrieben zu haben.“ Kriedner verwies zugleich auch die große Chance, die in diesen Tagen und Wochen des Neubeginns liege. Politik jedenfalls so Kriedner, habe in keiner Schule gleich in welchem Teil Deutschlands mehr etwas zu suchen.

Die Referentin im Thüringer Kultusministerium, Cordula Engelhardt, katholische Christin und 20 Jahre selbst Lehrerin, hatte ihr vorbereitetes Redemanuskript weggelegt angesichts der kontroversen Ansprachen. Sichtlich gerührt sagte sie: „Die vergangenen 40 Jahre bestehen nicht nur aus schwarz-weißen Tönen, sondern auch aus einer Menge Grautöne. Die gilt es zu suchen, damit nicht neues Unrecht begangen wird. Wir sollten unsere einmalige Chance zum Aufbau eines neuen Schulwesens nutzen und uns vor allem die Ehrlichkeit bewahren, die sich heute durch diese Veranstaltung gezogen hat.“

Ansprache Schulfeier 1991

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Eklat in der Kirche
Pfarrer in Crock geht mit Lehrern scharf ins Gericht.

Zu einem Eklat kam es bei der Feierstunde zum 400jährigen Jubiläum der Schule in Crock (Landkreis Hildburghausen). Pfarrer Johannes Ziegner ging dabei in der evangelischen Kirche auf dem Irmelsberg mit den Lehrern in außergewöhnlich scharfer Form ins Gericht. Sie hätten in der stalinistischen Ära den Christen in der DDR arg zugesetzt. Jetzt würden „alte Köpfe der Erneuerung im Schulwesen im Wege stehen“.

40 Jahre, klagte Ziegner, sei das Schulwesen in Crock durch Kirchenfeindlichkeit geprägt gewesen. Und jetzt solle wieder nichts gewesen sein. Heute frage man sich bei drohenden Entlassungen von Lehrern nach den Konsequenzen für Ihre Familien. Dabei habe 40 Jahre lang niemand nach dem Glück der christlichen Familie gefragt. Der Pfarrer erinnerte insbesondere an Repressalien, denen Christen auf ihrem Bildungsweg in der ehemaligen DDR ausgesetzt gewesen seien und fügte hinzu: “Ich kann es nicht glauben, die Vergangenheit ist unbewältigt und die alten Köpfe sind geblieben“.

Die Referentin der Grundschulen im Kultusministerium, Cordula Engelhardt, verzichtete angesichts der schweren Vorwürfe auf ihre Rede. Sozialminister Dr. Axthelm zog es vor, nicht als Grußredner aufzutreten und verließ die Kirche.

Seite 1 der Coburger Presse am nächsten Morgen.

Seite 1 der Coburger Presse am nächsten Morgen.

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Eklat beim 400jährigen Schuljubiläum in Crock
MdB Kriedner: „Es ist verbrecherisch darüber hinwegzusehen“

Crock. – „Alte Köpfe stehen der Erneuerung im Schulwesen im Wege!“ Pfarrer Johannes Ziegner ging mit den Lehrern beide 400-Jahr-Feier der Schule in Crock außergewöhnlich scharf ins Gericht. Die Feierstunde in der Kirche auf dem Irmelsberg wurde durch Attacken auf Pädagogen überschattet, die in der stalinistischen Ära den Christen in der DDR, Crock eingeschlossen, arg zusetzt haben sollen. Der CDU Bundestagsabgeordnete Arnulf Kriedner setzte noch einen drauf: „Es ist verbrecherisch jetzt darüber hinwegzusehen“.

Die Feierstunde hatte beschaulich mit Kirchenchor und Grußworten von Bürgermeister Helmut Pfötsch begonnen. Der Männerchor unter der Stabführung von Helmut Hartlieb Dreßel besang den Morgen, der bald prangen wird (nach einem Satz von Wolfgang Amadeus Mozart). Von Harmonie sprach Schuldirektor Werner Bandekow, die das morgendliche Läuten der alten Schulglocke symbolisiere.

Dunkle Wolken

Auch Bandekow sah seit Herzog Ernst dem Frommen, der einst im Oberland die Schulpflicht einführte, dunkle Wolken am Schulhimmel aufziehen. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Lehrerüberprüfung in den neuen Bundesländern bedauerte der Schulleiter, daß Lehrer in Sozialismus ihre Pflichten nicht erfüllen konnten. Bestrebungen auszubrechen, seien zum Scheitern verurteilt gewesen: „Wir wollen einen Teil der Schuld tragen, aber nicht alles“, bot der Festredner an. Er hoffte, in der Zukunft nicht mehr als Erfüllungsgehilfe eines politischen Regimes dienen zu müssen.

Verwüstung

Pfarrer Ziegner rief in Erinnerung, daß die Kirche in Crock 320 Jahre Lehrer besoldet und Unterrichtsutensilien gestellt habe. Das Schulhaus wurde 1591 in und auf dem Mauerring des Gottesacker gebaut. Die vergangenen 40 Jahre hätten geistige Verwüstung und einen Scherbenhaufen hinterlassen. „Ich kann es nicht glauben, so der erzürnte Gottesmann, die Vergangenheit sei unbewältigt und trotzdem seien die neuen Köpfe die alten geblieben. Der Neuanfang werde durch die Überreste der Stalinismus behindert.

Feindschaft

Der Geistliche wurde noch deutlicher: 40 Jahre wurde das Schulwesen in Crock durch Kirchenfeindlichkeit geprägt. Jetzt soll wieder nichts gewesen sein. Heute frage man sich bei drohenden Entlassungen von Lehrern nach den Konsequenzen für ihre Familien. „40 Jahre hat niemand nach dem Glück der christlichen Familien gefragt“, klagte der Pfarrer an.

Repressalien

Er erinnerte ein Repressalien denen junge Christen auf ihrem Bildungsweg im DDR Regime ausgesetzt waren. Er appellierte an die Eltern, sich in Zukunft nicht alles gefallen zu lassen und hoffte auf Lehrer, „zu denen die Kinder auf blicken können“. MdB Kriedner zog Parallelen zum Nazideutschland. Mit dem Verbrechen junge Menschen, geistig zu verformen, müsste man sich auseinandersetzen. Die Schule sei der am meisten biegsame Ort gewesen, alle die „dagegen“ waren, seien schließlich in der alten Hierarchie stecken geblieben. Jetzt solle zwar kein Verdikt verhängt werden, empfahl der Bundespolitiker, aber er forderte ein klares Bekenntnis von den Schuldigen.

Ihre Rede wollte die Referentin der Grundschulen im Kultusministerium, Cordula Engelhardt, angesichts der massiven Vorwürfe nicht mehr halten. Sie versuchte die schweren Anschuldigen abzuschwächen: „Es gab eine Menge Grautöne nicht nur Schwarz und Weiß“.

Der Minister für das Sozialwesen, Dr. Hans-Henning Axthelm, aus Eisfeld zog es vor, nicht als Grußredner aufzutreten, er entfernt sich ziemlich unbemerkt von der Jubelgemeinde und der historischen Städte.

Edelmut

Nachdem die Deutsch – und Geschichtslehrerin Rosemarie Böhlau den Festgästen mit Goethe einschärfte: „Edel sei der Mensch hilfreich und gut…“, und der Vertreter des Dezernates Kultur, Bildung, Jugend und Sport beim Landratsamt Hildburghausen beteuerte, daß sich bereits manches zum Guten gewendet habe, gab sich seine Durchlaucht, Prinz Franz von Hohenzollern, als „Schirmherr von Crock“ zu erkennen. Der Sigmaringer, der mit Crock – Freundin Christel Hopf am Festakt teilnahm, enthüllte unter dem Beifall der Jubiläumsgäste erstmals die neue Gemeindefahne.

Löwe und Huhn

Sie zeigt den Thüringer Löwen nebst dem Henneberger Huhn, den Zeichen der Land und Forstwirtschaft und einen Hobel, der die Tradition der Holzschnitzkunst im Crock symbolisiert.

Der Gymnasialchor Hildburghausen unter der Leitung von Karl-Otto Sänger bot einige akustische Leckerbissen. Neben einem weiteren Tribut an das Mozartjahr, erklang der schöne alte Kanon vom Kuckuck, der simsalabimsala…bum auf einem Baume saß. (Andreas Welz)

Coburger Presse 1991

Coburger Presse 1991

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