Rübenpflege

Auszug aus meinem Tagebuch:
Juni 1982

„…Ich bekomme einen schriftlichen Aufruf ganz persönlicher Art vom Bürgermeister. Mit diesem Schreiben werde ich aufgefordert, mit einer Person meiner Familie an der Rübenpflege in der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) teilzunehmen. Die erfolgt täglich von 18.00 bis 21.00 Uhr und ist als  „gesamtgesellschaftliches Anliegen“ zu betrachten. Und dann folgt auch schon die Strafandrohung bei Mißachtung dieses Aufrufes: „Es werden von Seiten der LPG  keine Fuhrleistungen mehr durchgeführt, wenn keine Teilnahme an der Rübenpflege registriert wird.“ Da war ich ja immer noch Vikar. Jetzt also die Rübenpflege!
Gegen diese Aufforderung der LPG-Aktivität  setze ich nur eine kleine Chronik, die beweisen soll, wie schwierig es ist, neben einem Pfarramt auch noch Rübenpflege zu betreiben:
Geburtstagsbesuch in Crock. Feuerbestattung. Vorbereitung des Gottesdienstes, weil die Küsterin dazu nicht in der Lage ist. Passionsandacht in Eisfeld. Treffen mit dem Superintendenten. Gegen 22.00 Uhr führe ich mir den 5. Rundbrief unseres Landesbischofs zu Gemüte. Bin darüber eingeschlafen. Vorbereitung zweier Gemeindeabende und dreier Gottesdienste. Im Pfarrhaus muß  dringend der Fußboden im Bereich des Archivraumes neu gestaltete werden. Der Fußbodenleger will kommen. Ich beginne das Archiv leer zu räumen. Drei Gottesdienste, dazwischen eine Urnenbeisetzung. Die Organistin zum Gottesdienst nach Waffenrod abgeholt. Taufgespräche. 3 Stunden lang. Meine Bilanz als Vikar für das Jahr 1982:
108 Gottesdienste habe ich gehalten. Daran teilgenommen haben 10.668 Erwachsene und Kinder. 599 Gemeindemitglieder kamen zum Abendmahl. 19.851,00 Ost-Mark betrug die Kollekte…“

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